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Nach den Regeln des guten Geschmacks
In seinem Essay »Der Kult um die Schwulen«, erschienen in Welt-Online (17. Oktober 2009, 04:00 Uhr), fordert Philliph Gut, den Rückzug ins Private und Diskretion von der Schwulen- und Lesbenbewegung:
»Schwulsein wäre dann einfach eine sexuelle Veranlagung, eine Privatsache, die nach den Regeln des guten Geschmacks in der Öffentlichkeit endlich wieder diskreter behandelt würde.«
Schließlich zeige sich niemand mit »offenem Hosenladen« in der Öffentlichkeit, offenbar Anspielung aus die »sexuellen Praktiken«, wie die der vielgescholtenen »Latexfraktion«.
Die Wahl derartiger Ausdrücke verdeutlicht Guts Absicht polarisierender Provokation.
Fürwahr genießen Homosexuelle eine gestiegene mediale Präsenz, wie Gut, stets eine vermeintliche Penetranz betonend (»Man braucht nur ein paar Minuten im Internet zu surfen, um auf alle möglichen Interessen- und Lobbygruppen zu stoßen.«) , seinen Artikel geschickt einleitet. Einen Perspektivenwechsel — die allgemeine mediale Präsenz von Sexualität in den Medien— wagt der Autor nicht durchzuführen, schließlich wäre er seiner Botschaft wohl kaum zweckdienlich.
Verglichen mit der Präsenz sexuell normativer, den Boulevard beherrschender Themen ist die Frequenz dort auftauchender alternativer sexueller Erscheinungsformen, derer weit mehr als die der Homosexualität einschließt, tatsächlich viel geringer. Doch da erste im Gegensatz zur letzteren der Masse nicht vertraut ist, tritt sie zwangsweise deutlicher zu Tage. Eine Eigenschaft, die sich jeglicher Kontrast teilt.
Ferner argumentiert Gut, sei die Notwendigkeit politischen Protests nicht mehr gegeben, denn
»Von Ächtung und Diskriminierung kann, nüchtern betrachtet, keine Rede mehr sein.«
Nüchtern betrachtet verallgemeinert, vereinfacht Gut die tatsächliche Lage üblicher Praxis. Obwohl niemand in Anbetracht der Komplexität einer derartig vielschichtigen Angelegenheit alle Ebenen berücksichtigen zu können vermag, gebe ich die Gefahr, die seine Art der Simplifizierung birgt, selbst wenn sie dem Zwecke polarisierender Untertreibung dienlich sein mag, zu bedenken.
Unsere westliche Gesellschaft ist in viele Ebene zersplittert. Obwohl zahlreiche Pluaralitäten miteinander vernetzt und in Wechselwirkungen zueinander stehen, ist die Aufklärung im Sinne einer abwägenden liberalen Einstellung lange nicht in alle Ebenen vorgedrungen. Weltanschauliche Barrieren sind noch immer verbreitet und lokal unterschiedlich ausgeprägt.
Fürwahr bedeutet Toleranz nicht, dass jeder den Lebensstil eines anderen akzeptieren also annehmen muss. Insbesondere dann nicht, wenn dies eine innere Instanz unerträglich gefährden würde. So gilt es für einige christliche Gruppierungen als unmöglich die Lebensweise eines homosexuell lebenden Menschen anzunehmen, wohl aber kann eine solche Gruppen einen als anders titulierten Mensch tolerieren — theoretisch.
Die Übergänge von Duldung zur Annahme sind in der Praxis für gewöhnlich zu fließend gestaltet, nicht determiniert, als das die pauschale Aussage, das von »Ächtung und Diskriminierung« nicht mehr gesprochen werde könne, der Wirklichkeit nahe käme. Möglicherweise ist Diskriminierung im öffentlichen Umgang subtiler geworden oder findet ihren expansiven Raum in der weltweiten Anonymität des Internets. Eine knappe Recherche mit der Suchmaschine der Wahl dürfte in einschlägigen Foren und Portalen wie YouTube ein entsprechendes Bild des gegenwärtigen Zustandes liefern.
Niemand behauptet heute, dass die Gleichstellung der Frauen ein abgeschlossener Prozess sein, die Erhebung der Stimme der Feministinnen nicht mehr notwendig seinen, weil doch die Emanzipation längst über das Patriarchat gesiegt habe. Bei genauer Betrachtung ist auch diese Entwicklung leider nur in Teilen fortgeschritten. Wollen wir eine Gesellschaft anstreben, die ihre Defizite nur teilweise, fragmentarisch zu überwinden sucht, nur weil die dafür notwendige Präsenz von einigen als penetrant, gar als bedrohlich empfunden wird?
Noch weitaus bedenklicher ist Guts Beschwerde:
»Selbst vor Kindern und Schulen machen die schwulen Pressure-Groups nicht halt. [...] Von der Unterstufe bis zum Militär, vom Erstklässler bis zum Armeeoffizier: „Homosexualität“ soll lebensbegleitender Pflichtstoff werden.«
Ließe sich über die Art und Weise, über die Wahl des Tones der Homosexuellenbewegung und ihrer Paraden noch offen diskutieren, stellt der Autor hier selbst jenes Mittel in Frage, dass jenes geforderte diskrete Vorgehen ermöglichte: die Aufklärung.
Die Hoffnung auf die prophylaktische Funktion einer möglichst vielfältigen, Lebenswirklichkeiten darstellende Ausbildung und Erziehung liegt in dem dadurch vermittelnden Horizont, welcher einen Umgang mit dem Unbekannten zumindest erleichtert und unnötige Ängste abzubauen sucht. Anderseits ist die Andeutung vermeintlicher Verschwörungen (»kann die Homosexuellenlobby fast jedes ihrer Anliegen durchsetzen« als auch »Homosexualität ist zu einer Art Religion geworden. [...] Wer sich dem Kult widersetzt, den trifft der Bannstrahl.«) heute ein sicheres Geschäft.
Zweifellos wird und kann viel über das Auftreten der Schwulen- und Lesbenbewegung diskutiert (werden). Nicht wenige Homosexelle selbst sind gegenüber ihrer eigenen „Szene“, den Paraden kritisch gegenüber eingestellt. Selbst inwiefern die scheinbare politische Bejahung tatsächlich immer zunehmende Toleranz fokussiert oder eher ein Alibi darstellt, kann kritisch geprüft werden. Die augenscheinlich so gut organisierte Bewegung, ist alles andere als perfekt.
Jenen kritischen, reflektierten und realistischen „queers“ — mir sind etliche, durchaus aber nicht nur solche Menschen bekannt — liegt es fern mit einer angeblichen »Opferrolle« zu »kokettieren«. Christian Heiler argumentiert, in der Post Privacy, einem offener also auch öffentlicher Umgang mit dem einen Selbst dem gegenseitigen Verständnis förderlich sei. Ein solcher Umgang muss aber nicht die Indiskretion beinhalten und sich in prekären Details verlieren.
Gut bleibt einer Eingrenzung des geforderten »guten Geschmacks« schuldig, denn schließlich lässt sich über Geschmack bekanntlich streiten.
For The Bible Tells Me So
Über die Facebook Seite von dem „Center for the Study of Discrimination based on Sexual Orientation“ bin auf die Dokumentation For The Bible Tells Me So aufmerksam geworden.
Die Dokumentation porträtiert fünf sehr christliche Familien, konzentriert sich auf deren Umgang mit einem homosexuellen Familienmitglied. Vollmundig verspricht der Film er schaffe Klarheit, böte all denjenigen Heilung, die auf den Buchstaben ihrer Schriften beharrten.
»[The film] offers healing, clarity and understanding to anyone caught in the crosshairs of scripture and sexual identity.«
For The Bible Tells Me So – New Trailer @ YouTube
In dem Bewusstsein, dass eine Abkehr von der eigenen, literalen Exegese — in all ihrer fundamentalen Konsequenz — so manche christliche Gruppierungen ad absurdum führen würde, begegne ich diesen Worten mit Skepis.
Dennoch bilden, dies ist zu hoffen, solche Filme einen Grundstein für eine andere Zukunft.
Mach(t) die Augen auf!
Der erste CSD in Hannover: Zumindest die Website von CSD-Nord will dies für den gestrige Demonstration festgestellt haben.
Der irrigen und kargen Information wegen, fürchteten Ric und ich, in einer sehr kleinen Gruppe eisern entschlossener Mitlaufen zu müssen. Erfreulicherweise, waren doch weitaus mehr Demonstranten eingetroffen, selbst wenn wir auf unserem Weg vom Bahnhof zum Aegidientorplatz ausschließlich Müttern mit Kinderwägen und Wanderer, den Rücken mit Rucksäcken beschwert, zu begegnen schienen.
Minuten nach unserer Ankunft begegneten wir Bernd und seiner fröhlichen Begleitung. Polizeiwagen und entsprechend Uniformierte kündigtet den bevorstehenden politisch-gesellschaftlich motivierten Marsch an; die noch lichte Menschensammlung gab den Blick auf den Demonstrationswagen, dessen charakteristische Lautsprechervorrichtung, den vielleicht entscheidenden Kontrast zu den bunten, feucht-fröhlichen Paraden anderer Großstädte erzeugte.
Aus der Menge ragten Arwens Patsy Backers(YouTube) Schmetterlingsflügel hervor, Bären und Lederleute, als auch Uncel Sam schenkte der fürwahr sehr zivilen und „homogenen“ Regebogenfarben schwingenden Menge ein wenig Farbe.
Politische Parteien, vornehmlich die Interessenpartien: vertreten durch deren Jugendorganisationen: Grüne Präservative und blau-gelbe Banner forderten Toleranz für Homosexuelle. Irgendwo wehte eine einsame links-rote Fahne. Der Vertreter der Jugendorganisation der Sozialdemokraten, den Bernd gesehen haben will, blieb bis Ende des Demonstrationszuges unbestätigtes Phänomen. Ferner blieb die Frage, inwiefern die Totenkopfflagge eine politische Botschaft transportieren solle ungeklärt.
Dann setzte sich die Menge in Bewegung.
Erste Station: die Marktkirche. Vorbei an eingefrorenen Gesichtern, manche müde, wartend, manche freudig huppend, Beifall klatschend. Mir schien als hätten die Hannoveraner viel zu lange nicht mehr so viele Nicht-Hetronormative — sprich: queer people — gesehen.
Der Blick auf die Karte lies den Irrweg erahnen, welche wir alle scherzend zurücklegten: ruhig, voller guter Dinge, während wir immer wieder Schallfragmente politische Forderungen aus dem uns führenden Verkündigungsmaschine gewahr wurden. Von mehr Gleichberechtigung war die Rede. Von Respekt gegenüber gleichgeschlechtlicher, gegenüber nicht normativer Liebe. Und leider auch von homophoner Gewalt.

Die Zeugen: Parallelwelten kollidieren.
Der Zug war mittlerweile am Opernplatz angekommen. Zeit kurz inne zu halten, die Gelegenheit bot, noch mehr bekannte Gesichter zu begrüßen. Zeit der Ansprache der Verkündigunsmaschine zu lauschen, die mit beinah mütterlicher Wärme zu uns sprach.
Der Marsch zog über den Kröpke. Mit einiger Genugtuung, sah ich den versteinerten Gesichtern der Zeugen entgegen, die sich von religiöser Intoleranz verkrampft, hinter ihrem Missionarsstand verborgen, Salzsäulen gleich. Die Route mag allein derartig extremer Parallelwelten wegen als durchaus lohnend betrachtet werden. Neben der Schillerstatue grinsten die Piraten den Demonstraten zu und verteilten eifrig ihre Wahlbroschüren.
Kaum ein Drehbuchautor hätte einen passenderen Ausruf in der Nähe des Steintorsviertels — Am Marshall — schreiben könnten. Ein sehr junger Mann zog seinen Kameraden entsetzt zurück und meinte: » Geh da nicht hin, sonst wirst du auch noch schwul.« Wir lachten.
Der Marsch führte weiter, das Leineufer hinter sich lassend, sich auf das Neue Rathaus zubewegend. Wir scherzten, ob der Zug vielleicht auch noch den Maschsee umkreisen werde. Die Menge hielt um auf den Treppen vor dem Rathaus der Lesung eines Gedichts zu lauschen.
Der Kreis schloss sich, als wir den Ausgangspunkt am Agiedienstorplatz erreichten.
Bernd gab begeistert und ein wenig ironisch zu Protokoll, dass er nicht zu träumen gewagt hätte, eines Tages einen CSD in Hannover erleben zu können. Zu viele Querelen, tiefe über die Jahre ausgehobene, sinnfreie Gräben und Gerüchte gegenseitiger Aversion hingen dunkel über der Erinnerung an die letzten Jahre und die immer wieder gestellte Frage: Warum eigentlich? Und: Gäbe es keinen anderen Weg?
Tim und ich stellen fest: Wir vermissen viele Gesichter. Ganze Vereine, Gruppen: nicht vertreten. Doch angesichts der großen Unsicherheit dieses ersten Christopher Street Days wegen, wenig verwunderlich. Schrille Karnevallswagen ohne Botschaft, alles übertönende Musik und die Unterstützung der Akohollobbyisten hingegen hab ich nicht vermisst.
Hoffentlich nicht der letzte seiner Art.
Weitere Fotografien lassen sich bei Picasa finden.
Christopher Street Day Hannover 2009
Frappierend: Die Tatsache, dass dieses Jahr offenbar tatsächlich ein kleiner Christopher Street Day in Hannover stattfinden soll.
Seit meiner Zeit in Hannover waren die alljährlichen Diskussionen, die um einen vermeintlichen CSD in dieser Stadt an mich herangetragen wurden, stets von Uneinigkeit geprägt, die nach kurzer Zeit immer wieder zu einer Zerschlagung der Organisationsgruppen führten, denen eine Einigung ein jedes mal, so hörte man es verlauten, stets unmöglich erschien.
Irgendwann waren die Erwartung dieser Veranstaltung nicht mehr vorhanden. Braunschweig zeigte mit der Organisation ihres Sommerfestes ein weitaus besseres Geschick.
Entgegen aller Polemik, entgegen aller Kritik soll an diesem Samstag ein kleiner Demonstationszug beginnen. In einer E-Mail, die ich gestern erhielt, heißt es auszugsweise:
»Am 22.08.2009 findet ab 13 Uhr am Aegi eine feine - politische, unkommerzielle - CSD-Demo für die Rechte von Lesben, Schwulen, trans*, Queers in Hannover statt.«
Zugegeben: dürftige Informationen. Dennoch werde ich am Samstag einen kleinen Ausflug zum Aegidientorplatz machen und mir dieses Demonstration nicht entgehen lassen.
Sechzig Prozent
Ich stehe auf Frauen? Seit wann?
Wäre die Welt mein

Timothy (Tanner Cohen), der eine Privatschule besucht, wird von seinen Mitschülern seiner Homosexualität wegen verspottet und schikaniert. Außerdem ist der junge Mann in den attraktiven, aber offenbar heterosexuellen Jonathan (Nathaniel David Becker) verliebt. Insofern startet der Film Wäre die Welt mein mit einem durchaus realistischen Konstellation, den so zahlreiche Homosexuelle aus ihrer Vergangenheit kennen dürften.
Als Timothy’s Lehrerin Mrs. Tebbit (Wendy Robie) mit der Besetzung des Schultheaterstücks Ein Sommernachtstraum nach William Shakespeare beginnt, in dem sie auch Elemente des Musicals mit einarbeiten möchte, beginnt sich für den Außenseiter einiges zu ändern. Er entdeckt während des Auswendiglernens des Textes eine in den Buch verborgene Rezeptur — Cupids Love Juice — mit dessen Hilfe er eine magische Blume kreiert, welche die sexuelle Orientierung aller Personen, die einmal mit deren Nektar bespritzt wurden, gründlich umkehrt.
Auf diese Weise verfällt zwar der angebetete Jonathan dem talentierten Timothy, doch stiftet die von der Blume verströmte Liebe in dem an sich sehr homophoben Städtchen sehr viel Verwirrung. Doch mit Mrs. Tebbits Hilfe fügen sich die Dinge wieder in ihr ursprüngliches Lot und erwirken, wer hätte es gedacht, sogar ein Happy-End.
Sieht man von den teilweise triefend tuffigen Tanzeinlagen ab, die sich in in Timothy’s musikalische Traumszenen einschleichen, wirkt Wäre die Welt mein, wie eine leichte, Queer-Sommernacht-Komödie, die ohne in die Tiefe zu gehen ihren eigenen Weg findet mit Homophobie und Toleranz umzugehen weiß.
Tom Gustafson setzt mit diesem Film seinen Kurzfilm Faries(YouTube-Trailer) fort.
Das der Hauptdarsteller Tanner Cohen ansonsten Sänger der Indie-Band The Guts trägt zur dessen stimmlichen Qualität sicherlich bei.
Tanner Cohen is Famous @ YouTube
Schlafes Bruder
In den vergangen Tagen war ich von Robert Schneiders Schlafes Bruder äußerst gefesselt.
In Bezug auf das Thema Genie, welches Teil der Die Leiden des jungen Werthers ist, erhielt ich unlängst den Vorschlag jenes Themas wegen Schneiders Roman zu lesen. Ein Vorschlag dem ich sehr gerne Folge geleistet habe, denn die Geschichte des musikalischen, „gelbseichigen“ Genies Elias Adler entfaltete sich einer eigenen Welt gleich vor mir.
Scheiders tragische Erzählung eines besonders begabten Menschen in einer feindlichen, beschränkten und mitleidlosen Provinz scheint einer schmerzhaften Erinnerung des Verlustes an unzähligen Potentialen, schwächer funkelnden Sternen der Milchstraße, zu sein: Wie viele Talente hätten aufgrund ungünstiger Umstände von Geburt und Zeit der Menschheit wohl ungeahnte Kunstwerke oder wissenschaftlichen Fortschritt schenken können?
Ein verkanntes, sensibles Genie, mit der durchaus nachvollziehbaren Empfindung der Deplatzierung, dass in seiner Liebe des dreifaltigen Reigens — Gott, Natur und seiner Kusine Elsbeth — der Natur des Werthers verwandt wirkt. Ein Mensch, dessen Gesichte, über die bereits früh, das Damoklesschwert der Vergeblichkeit schwebt, mit dem ich als Leser mitfühlte, mithoffte — ohne eines Augenblickes der Hoffnungslosigkeit Ausdruck aus den Augen zu verlieren.
Gott, wird in dem Werk, zu einer zwiespältigen Erfahrung. Für Elias, wie für den Leser. In der Erscheinung eines unschuldigen Kindes, möchte er doch die Bewohner des Dorfes nicht an jenem Ort weilen sehen und anstelle dem Künstler in der Liebe zu einem Menschen ein sicheres Refugium — ein Zuhause — zu gewähren, bleibt er selbst stumm in einem vermeintlichen Versuch der Erlösung des Helden.
Die Unmöglichkeit der Liebe weilt mitnichten auf dem Protagonisten allein. Dessen bester Freund Peter liebt seit langer Zeit Elias, eine zunächst masochistische Liebe, die nach dem letzten Geleit, dass er seinem Freund gewährt, in einer charakterlichen Wandlung seine einzige wahre Liebe bleiben wird, denn Peter bleibt bis an sein Lebensende allein.
Als postmodern, romantisch, neorealistisch und parodistisch ist Schlafes Bruder bezeichnet worden. In jedem Fall ist das Buch eine eigene Welt, die aufgrund ihrer besonderen Sprache „in ein fernes Land [...] verzaubern und entrücken“ (Rainer Moriz, Nichts Halbherziges) will.
Schneiders Erzählkunst gelingt es die magische Musik und das sensible Hörvermögen des Elias von den Seiten der gedruckten Wörter zu befreien und dem geneigten Leser tatsächlich lebendig, hörbar zu machen. Ein Umstand, der neben dem Werther zuweilen an Das Parfum denken lässt.
Bedauerlicherweise hat das Buch bereits Einzug in die Ober- und Mittelstufen einiger Schulen gefunden, so dass eine Generation gezwungener Schüler die Entfesslung der in dem Werk gefangenen Intensität aufgrund des Diktats verwährt bleiben drüfte.
Teufelszeug
Testosterone scheinen vordringlich in einem gewissen Alter, die wir vornehmlich Pubertät zu nennen pflegen, wie Teufelszeug zu wirken.
Eine Zeit in der das menschliche Gehirn enorme Umstrukturierungen durchlebt.
Jule und ich waren heute erneut in der Lage, diesen Vorgang zu beobachten.
Unser Schulbesuch in der IGS Mühlenberg zusammen mit einer, dem Wortlaut der Klassenlehrerin folgend, Horde Zwölfjähriger.
Unser Methodenkoffer bot nunmehr laminierte, große Begriffskarten anhand deren wir verschieden Termini rund um das Thema „queer “ besprachen.
Ein jeder sollte einen Begriff vorlesen und seine eigenen freien Assoziationen mitteilen. Anschließend wurden diese Aussagen im Plenum — der obligatorische Stuhkreis darf dabei nicht fehlen — diskutiert. Jule und ich korrigierten und ergänzten, wann immer nötig — und das geschah häufig.
Mit einer weiteren Aufgabe wirkten die Jungs anfänglich überfordert, lieferten schließlich teilweise interessante Ergebnisse.
Als wir die Klasse schließlich verliesen wurden wir kurz von einer dankbaren und sehr lebendig wirkenden Lehreren verabschiedet.
Amazon ‘glitch’
Die schwarze Katze im System.
Glitch (dt.: Panne, Störung) Bezeichnet in Computerspielen kleine Bugs [...] Die Herkunft des englischen Begriffs liegt im deutschen „glitschen“[4] über jiddisch „glitshen“ (etwa: ab- oder wegrutschen). — Wikipedia.de
Marienkäfer.de fasst die aktuellen Erkenntnisse in Bezug auf die Probleme, die am Sonntag bei dem Online-Store Amazon auftraten (#Amazonfail bei Twitter) zusammen.
Offenbar soll ein peinlicher Fehler im System (glitch) für die vermeintliche Zensur verantwortlich gewesen sein.
Eine offizielle Stellungsname des Unternehmens ist auf deren Web-Seiten leider noch nicht zu finden.
Selbst wenn einige US-Blogger nach dem Twitterstorm einen massiven Imageschaden mutmaßen, wäre ein Kommentar des Unternehmens sicher wünschenswert gewesen.
Zensur homosexueller Literatur bei Amazon?
Offenbar ist dem bekannten Online-Store Amazon.com entweder ein peinlicher Fehler unterlaufen oder aber das Unternehmen hat auf fragwürdige Weise seine interne Zensurpolitik geändert. Der neuste Amazonfail berichtet darüber wie folgt:
»According to the Amazon Dictionary, this definition includes books that have anything to do with gay, lesbian, bisexual and transgender (GLBT) characters, authors, issues, or references. In addition to de-ranking these titles, they have also been hidden from search results.«
Mittlerweile bestätigte futurezone.at diesen vermeintlichen Fauxpas.
gulli:news referenziert diesen Artikel. Die Kommentare dort lassen allerdings erneut eine etablierte Toleranz gegenüber homosexuellen Medien bezweifeln.
Die Tatsache, dass bei dem großen Online-Shop in Bezug auf die Auszeichnung (tagging) ihrer Produkte große Fehler unterlaufen, scheint zudem der folgende Screenshot zu verdeutlichen.

Amazon.com: Die "heilige Schrift" in der King-James-Übersetzung unter dem Tag "gay porn"?
Es bleibt zu hoffen, dass es sich bei dieser Angelegenheit mehr um eine Panne als um tatsächliche Unternehmenspolitk handelt.















