Quelle: Wikipedia, CCC 3.0 Marie-Lan Nguyen
Indignez-vous! (Empört Euch!). Das ist das Aufruf eines mit 93 Jahren sich in einem respektablen Alter befindlichen ehemaligen Widerstandskämpfers: Stéphane Hessel.
Innerhalb kurzer Zeit erreichte seine Streitschrift in Frankreich eine hohe Auflage:
»Das Buch ist in etwa so dick wie eine Broschüre der Zeugen Jehovas, dreißig Seiten, wobei der eigentliche Text gerade mal neunzehn Seiten davon in Anspruch nimmt. […] Bis zum Jahreswechsel wurden 900.000 Exemplare gedruckt, wodurch Indignez-vous in Frankreich das mit Abstand meistverkaufte Buch des Jahres ist.« (Axel Rühe: Frankreichs Manifest zum Volkszorn – Empört euch! SZ.)
Hessel zufolge sei es Zeit für eine neue Résistance, die sich gegen die gegenwärtigen sozialen Missstände erhebe, etwa gegen Fremdenfeindlichkeit und die »finanziellen Diktatur der internationalen Finanzmärkte« (FAS/FAZ).
Gewalt ist allerdings nicht das Mittel, welches der Satré-Schüler mit Empörung und verbindet:
»Die Zukunft gehört der Gewaltlosigkeit und der Versöhnung der unterschiedlichen Kulturen.
[…]
Wir müssen begreifen, dass die Gewalt der Hoffnung den Rücken kehrt. Wir müssen der Hoffnung auf Gewaltlosigkeit den Vorzug vor der Gewalt geben« (FAS/FAZ)
Tatsächlich bedauere ich es, der französischen Sprache (noch) nicht mächtig zu sein, so dass ich mich nur auf die nun zugänglichen übersetzten Auszug der FAS »Stéphane Hessels Pamphlet – Empört Euch!« begnügten muss, auf die Markus aufmerksam gemacht hat.
Auch im Blog ondamaris wurde Hessels Streitschrift Indignez-vous! thematisiert – allerdings unter dem Aspekt der Homophobie.
Verglichen mit den Verkaufszahlen für Sachbücher ist das Ergebnis hierzulande nicht nur ernüchternd, sondern auch ziemlich beschämend, weshalb Jakob Augstein SPON-Artikel »Im Land der Niedertracht« die Sarrazin-Debatte aufgreift und deren Botschaft derer Hessels gegenüberstellt.
Ein Blick auf die Kommentare unter Augsteins Artikel lässt allerdings eine Form der Empörung vermuten, die bedauerlicherweise wenig mit dem Geiste der Résistance gemein hat.
Endlich sollte/wollte ich ja an Weihnachten in Frankreich sein. Das hat durch das Wetter nicht geklappt. Und das ist schade, denn endlich wollte ich dort mit Freunden an einer Art Diskussionsworkshop teilnehmen, wo unter anderem Hessel diskutiert werden sollte. Ich hatte mir etwas davon versprochen, zumal ich auch kein Französisch kann (manchmal erstaut das Leute, die vergessen dann allerdings, dass Kanada aus zwei sprachlichen Teilen besteht) und weil ich glaube, dass im Besonderen bei solchem Material Vieles in Deutschland, oder vielleicht auch generell außerhalb des jeweilgen Erscheinungslandes, verzerrt rüberkommt oder wahrnehmen wollte. Ich hatte Ende November Der kommende Aufstand angelesen und dachte, dass das interessant ist. Vielleicht nicht meine Meinung, jedoch interessant und beschloss, auch dasîn Frankreich anzusprechen. Zirka Ende November erschienen dann Kritiken/Kommentare, dass der Inhalt von faschistoider Philosophie genährt sein soll. Ich habe es noch nicht geschafft, das Buch zu lesen und ich weiß nicht ob etwas dran ist, an diesen “Darstellungen”. Doch es ist doch so, dass das potentielle Leser abschreckt. Ich will es immer noch lesen und mich gegebenenfalls über diese Quellen informieren, dann kann ich selber ein Bild machen. Ich muss das was drin steht ja weder mögen noch unterstützen. Ich finde es nur schlecht, diese Materialien aus Frankreich so per se zu “verdammen”.
ZEIT ONLINE hatte sich auch eher sehr vorsichtig bis negativ über L’insurrection qui vient (Der kommende Aufstand) berichtet. Ich wurde auf diesen Artikel meines Marx-Entfremdungs-Seminars wegen darauf aufmerksam gemacht.
Indignez-vous! scheint hingegen anders politisch ausgerichtet zu sein. ZEIT ONLINE hatt sich in ihren Gegenargumenten eher auf die Israel-Kritk Hessels konzentriert. Insofern ist es tatsächlich fraglich, ob die hiesige mediale Filterung der Intention solcher Autoren wie Hessel nahe kommt. Schließlich fokusieren Medien häufig nur einen kleinen Ausschnitt. Wer immer die Möglichkeit hat, sich direkt mit der französischen Perspektive vertraut zu machen und daraus Schlüsse zu schließen, die sich auf etwa auf die Verhältnisse in Deutschland übertragen ließen, hat dieser Filterung gegenüber einen großen Vorteil.
Allerdings soll das nicht bedeuten, dass man gewisse Warnungen aus dem Wind schlagen sollte. Bei der Betrachtung politiischer Pamphelte oder Streitschriften kann ein kritischer Geist generell nicht schaden.
http://biopilz.wordpress.com/2011/02/11/hessel-hat-recht-emport-euch/
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