Endspiel
Seit dem ich um der absurden Magie Samuel Becketts weiß, reizt mich der Besuch einer Aufführung eines seiner Stücke. Nun scheinen die Werke des Meister mit dem ausdrucksstarken Gesicht selten in Hannover Aufführung zu finden, so dass meine Hoffnungen eher verhaltener Art waren.
An meinem Geburtstag verkündete mir Ric, er werde mich in die Aufführung von Endspiel im Mittwochstheather entführen, sobald wir im Januar Zeit fänden. Das Versprechen verband er mit der in einem Buch gebunden Kurzgeschichte Die Welt und die Hose.
In letzter Minute kauften wir am Mittwochabend zwei Karten, genossen augenblicklich die eher familiäre Dimension der Veranstaltung.
Das Bühnenbild bestand aus einer in eine weiße Wand, einem Bürotisch und einem beweglichem Bürostuhl. In die Wand waren zahlreiche verschiedenartige Schubladen und eine Tür mit Spion eingefasst. Sie diente ebenfalls als Projektionsfläche für in das Stück eingeflochtene Videoclips.
An einem nicht näher genannten Ort zu einer unbekannten Zeit erlebt der Zuschauer den Tagesablauf einer Gruppe skurriler, nahezu zerstörter Individuen, die weit und breit die letzen Überlebenden zu sein schienen: der schwer kranke Hamm, dessen Eltern Nagg und Nell und sein Angestellter Clov.
Vier Figuren, gefangen im nihilistisch-schleichendem Tode.
Die Dialoge Becketts sind großartig absurd: gleichzeitig komisch wie bedrückend transportiert er die bedrückende Ausweglosigkeit des Aussterbens ebenso, wie die eigentliche beklemmende Absurdität menschlichen Handelns. Beeindruckend.
Die minimalistische Umsetzung des Mittwochstheaters unterstreicht diesen Umstand.
Nagg und Nell sitzen nicht in Mülleimern, in die Sand gestreut wurde. Nell ist ein älterer Herr, der mit leicht senilen Zügen gerne ab und an ein paar leichte Tanzschritte wagt. Einzig Nell bleibt während des Stücks als Videoprojektion aus der Realität der Aufführung verbannt. Beketts Regieanweisung – elegisch – setzt die Schauspielern überzeugend in Szene.
Ric und ich waren uns einig, dass dieses Stück noch lange in unseren Gedaken von Zeit zu Zeit wiedergehen wird.














[...] beiden Aufführungen von Becketts Endspiel als auch von Simon Stephens‘ Pornographie blieben mir lange in Erinnerung. 52.384060 [...]
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30. Dezember 2009 um 05:07