Archiv für Januar 2009
Hochdynamisch
Diese Woche war eine sehr arbeitsintensive. Heute habe ich die zweite Biologie-Klausur geschrieben. Schwerpunkt: Immunbiologie.
Mein Hang zum Perfektionismus: Ärgerlich im Nachhinein,dass ich Immunglobulin falsch geschrieben habe.
Des weiteren musste ich diese Woche To Kill A Mockingbird und Die Leiden des jungen Werther gelesen haben. Für ein ebenfalls diese Woche fälligen Aufsatz las ich Jugend ohne Gott.
Das Quckie – so nennt die Mathematiklehrerin angekündigte Tests – hatte ich leider in den Sand gesetzt, obwohl Mathematik lange nicht mehr das Problem ist, dass es im vergangen Schuljahr noch wahr.
Am Wochenende winkt die Vorbereitung eines Referats für den Musikunterricht.
Training für die Uni, vielleicht.
Euphoria
Ähnlichkeiten
In meinem Aufsatz versuchte ich kurz einige Hinweise zu den Ähnlichkeiten und Unterschieden des Romans Jugend ohne Gott und dem Stück Geschichten aus dem Wiener Wald zusammen zu tragen.
Der Vorgabe von maximal zwei bis drei Seiten wegen, habe ich mich auf einige wenige Gesichtspunkte beschränkt. Zu erwähnen wäre sicher noch die Sprache gewesen, denn Hovráth wählt in dem Theaterstück bewusst die damalige Sprache der Kleinbürger, wohingen er im Roman seinen Figuren bereits durch Sprache der NS-Propaganda sprechen lässt.
Jugend ohne Gott

Jugend ohne Gott
Mitte der 1930er Jahre. Ein junger Lehrer sieht sich mit einer kühlen Jugend seiner Zeit konfrontiert, als er die Aufsätze zur Kolonialisierung korrigiert.
Afrikaner – dunkelhäutige – sind in den Augen der Schüler keine Menschen. Als er diese Anschauung seiner Klasse kritisiert, bekommt er die Indoktrinierung der Schüler zu spüren.
In einem von ihnen aufgesetzten Schreiben ersuchen sie des Lehrers Rücktritt. Der Vater des N, dessen Aufsatz der Lehrer stellvertretend kritisierte, droht mit Konsequenzen.
Von dem pensioniertem Kollegen Julius Cäsar erfährt der Lehrer von dem Zeitalter der Fische, welches für eine Gefühlskalte Generation stehe. Und dem an Einfluss gewinnenden Plebejern. Cäsar vertritt außerdem ein eigenartiges Frauenbild, welches Horváth auch in anderen Werken darstellt.
Kurz darauf stirbt sein Schüler W an einer Lungenentzündung. Nun wird ihm die Kälte eines seiner Schüler bewusst.
Um die militärische Erziehung der Jungs in frühen Jahren einzuleiten fahren sie in den Osterferien in ein Zeltlager. Dort verliebt sich Z in eine junge Vagabundin, die von Mundraub lebt. Als er fälschlicherweise annimmt, sein Zeltgenosse N hätte sein Tagebuch gelesen nimmt eine tödliche Spirale von Gewalt ihren Anfang.
Der Lehrer wird dessen immer wieder mit Gott konfrontiert. Es ist sein eigenes gottähnliches Gewissen, dass ihn schließlich zu einer ehrlichen Zeugenaussage vor Gericht anleitet. Diese hat zwar zur Folge, dass er seine Stellung verliert. Doch am Ende kann der wahre Mörder auf tragische Weise enttarnt werden.
Gegen Ende des Romans verlässt der Protagonist Deutschland um als Lehrer in Afrika zu arbeiten.
Horváth legt mit seinem Roman eine beeindruckende Sozialstudie der indoktrinierten Jugend in den 1930er Jahren vor. Diese verkünft er geschickt mit kritischen und ironischen Elementen.
Die Leiden des jungen Werthers

Die Leiden des jungen Werthers
„Die ganze dieser Worte überkam den Unglücklichen“ – zweifelsohne die Sprache des großen Meisters in Die Leiden des jungen Werthers berührt.
Das Drängen wiegt sich in der Empfindsamkeit, und offenbart das fühlende Herz der charismatischen Hauptfigur: Werther. Heute längst ein Mysterium, legendär.
Lotte, Albert, Werther – das Zersplittern eines Bogens.
Es jene stürmische Sprache gewesen sein, die das Herz so vieler entfachte. Ein Kulturphänomen.
In die Tiefe gehen, bald.
Hausarbeiten

Jugend ohne Gott von Ödön von Horváth
Ich bin gerade dabei Goethes Werther zu lesen.
Am kommenden Donnerstag ist Abgabetermin für einen Aufsatz, die thematisch alle um Horváths Geschichten aus dem Wiener Wald kreisen. Letzterem gegenüber hatte ich anfänglich Vorbehalte, doch diese haben sich bei näherer Betrachtung des Stücks zerstreut.
Ich soll über weitere Werke von Herrn Horváth schreiben.
An diesem Wochenende werde ich beginnen Jugend ohne Gott zu lesen, welches in unserer Stadtbücherei schon seit Anfang des Monats restlos ausgeliehen wurde.
Werde ich mich wieder anderen Büchern widmen können.
Instruction Manual for Life?
Endspiel
Seit dem ich um der absurden Magie Samuel Becketts weiß, reizt mich der Besuch einer Aufführung eines seiner Stücke. Nun scheinen die Werke des Meister mit dem ausdrucksstarken Gesicht selten in Hannover Aufführung zu finden, so dass meine Hoffnungen eher verhaltener Art waren.
An meinem Geburtstag verkündete mir Ric, er werde mich in die Aufführung von Endspiel im Mittwochstheather entführen, sobald wir im Januar Zeit fänden. Das Versprechen verband er mit der in einem Buch gebunden Kurzgeschichte Die Welt und die Hose.
In letzter Minute kauften wir am Mittwochabend zwei Karten, genossen augenblicklich die eher familiäre Dimension der Veranstaltung.
Das Bühnenbild bestand aus einer in eine weiße Wand, einem Bürotisch und einem beweglichem Bürostuhl. In die Wand waren zahlreiche verschiedenartige Schubladen und eine Tür mit Spion eingefasst. Sie diente ebenfalls als Projektionsfläche für in das Stück eingeflochtene Videoclips.
An einem nicht näher genannten Ort zu einer unbekannten Zeit erlebt der Zuschauer den Tagesablauf einer Gruppe skurriler, nahezu zerstörter Individuen, die weit und breit die letzen Überlebenden zu sein schienen: der schwer kranke Hamm, dessen Eltern Nagg und Nell und sein Angestellter Clov.
Vier Figuren, gefangen im nihilistisch-schleichendem Tode.
Die Dialoge Becketts sind großartig absurd: gleichzeitig komisch wie bedrückend transportiert er die bedrückende Ausweglosigkeit des Aussterbens ebenso, wie die eigentliche beklemmende Absurdität menschlichen Handelns. Beeindruckend.
Die minimalistische Umsetzung des Mittwochstheaters unterstreicht diesen Umstand.
Nagg und Nell sitzen nicht in Mülleimern, in die Sand gestreut wurde. Nell ist ein älterer Herr, der mit leicht senilen Zügen gerne ab und an ein paar leichte Tanzschritte wagt. Einzig Nell bleibt während des Stücks als Videoprojektion aus der Realität der Aufführung verbannt. Beketts Regieanweisung – elegisch – setzt die Schauspielern überzeugend in Szene.
Ric und ich waren uns einig, dass dieses Stück noch lange in unseren Gedaken von Zeit zu Zeit wiedergehen wird.
Alles Theater
Der Freischwimmer berichtet von dem Relaunch des Bühnenblogs, der sich ab sofort in meiner Blogroll befindet.
Das Bühnenblog lädt, ganz im Sinne von Web 2.0, Freunde des Theaters als Co-Blogger ein.
Es ist anzunehmen, dass die Beiträge unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht werden.
Das verwendete Theme gefällt mir übrigens sehr gut.
Brazil
Brazil zeigt eine „kafkaeske Dystopie„, die mich entfernt an meinen ersten BAföG-Antrag erinnerte, und durch ihrer grotesken Überzeichnung einem jegliches die Komik einem im Halse stecken bleiben lässt.
Sam Lorey ist ein kleiner Beamter im „Ministerium für Informationswiederbeschaffung“. Seine exzentrische Mutter möchte ihn gerne in höherer Stellung sehen und nutzt die nepotistischen Strukturen einer fiktiven bürokratischen Welt um diesen Wunsch real werden zu lassen.
Der zeitweise nativ und impulsiv wirkende Sam verliebt sich allerdings in die Lastwagenfahrerin Jill, die der Frau zu gleichen scheint, die ihm in seine neonfarbenen Träumen begegnet.
Nach und nach wird Sam von den Mühlen des Systems zermahlen.
Nahezu 25 Jahre nach der Veröffentlichung scheint der Film auf erschreckende Weise reale Zustände zu karikieren: Vorratsdatenspeicherung, Überwachung, wachsende Bürokratien und allgegenwärtiger (medialer) Terrorismus.
Brazils Überzeichungen waren für mich als Zuschauer zeitweise schwer zu ertragen – selbst wenn ich den Stil der Monty-Python-Crew eigentlich sehr zugetan bin.
Insbesondere die Anbiederung mit der sich die Figur Sam sich der Traumfrau Jill nähert irritierte mich, auch wenn mir das Muster des liebenswerten Trottel, der per Zufall seine große Liebe findet durchaus nicht fremd ist. Für mich wirkte sie zeitweise deplatziert, aber vielleicht war der Directors Cut für den Anfang eine Überforderung.
Die Kritik, diese Gesellschaftssatire und das Ende des Films finde ich allerdings gelungen.














