Die Stadt der Blinden
Literaturverfilmungen stehe ich skeptisch gegenüber.
Häufig scheint jene besondere Magie, die beim Lesen eines Romanes wie ein Echo im Geiste ein eines Betonungsmuster entwickelt bis zur Unkenntlichkeit verwoben.
Zuletzt begegnete ich jener Enttäuschung bei der Schlöndorf-Verfilmung des Werks von Max Frisch: Homo faber. Einer Inszenierung, die trotz Absprache mit deren Schöpfer, einen wesentliches Teil des ursprünglichen Themas verkümmern lässt, dadurch an Wirkung verlor; mich als Zuschauer nicht berührte.
Den verhaltenen Kritiken der Feuilletons entgegen sah ich am vergangen Freitag mit Ric Die Stadt der Blinden.
Gleich Saramagos Literaturvorlage versetzt den Zuschauer die Inszenierung von Regisseur Fernando Meirelles in ein apokalyptisches Gleichnis. Wir werden Zeuge einer Massenhysterie auslösenden Infektion, der Symptom – Erblindung – die Erkrankten in den Zustand völliger Hilflosigkeit stürzen lässt.
Die Frau des Arztes, gespielt von Juliane Moore, gibt vor ebenfalls an der Krankheit zu leiden um ihren an der Blindheit infizierten Ehemann zu begleiten. Die Infizierten werden in einer sich in desolatem Zustand befindlichen Quarantänestation zusammen gescharrt. Ihren Wächter scheint aus Panik und Perspektivlosigkeit jegliche Menschheit abhanden gekommen.
Das menschliche Miteinander, die Konditionierungen der Zivilisation beginnen sich aufzulösen.
Bald eskaliert die Situation; die Frau des Arztes nutzt ihr nicht weichendes Augenlicht um zu helfen, bleibt ihn gewisser Weise die letzte Instanz für die schwindende Humanität. Zum äußersten Getrieben schreckt sie allerdings bald vor nichts mehr zurück, um letztlich das ihr Verbliebene zu bewahren.
Ric, der im Gegensatz zu mir das Buch gelesen hat, hätte den Film gerne auf andere Weise insziniert gesehen. Insbesondere den übermäßigen Einsatz von Weißfiltern, die sicher metaphorisch wirken sollen, bemängelte er.
Und tatsächlich, die Distanz, auf die der Zuschauer zu dem dystopischen Zerfall uns vertrauert Strukuren trifft, wird gelegentlich durch die beachtliche Leistung von Julian Moore durchbrochen. Die Verfilmung hätte durchaus mehr wagen können.
Optisch, hierin schließe ich mich dem Hausmeister an, ist Die Stadt der Blinden sehr gelungen. Insbesondere den Szenen am Ende des Film gelingt es die Stimmung der Protagonisten einzufangen, als wäre der Zuschauer tatsächlich Teil der Geschichte. Diesen Mut hätte ich mir auch für die zugegeben schwierigen Geschehnisse auf der Station gewünscht.
Für mich ist der Versuch dieser schwierigen Vorlage zu bewegten Bildern zu verhelfen an sich schon beachtlich.
Um mir ein endgültiges Urteil zu bilden werde ich, nachdem endlich alle Pflichtlektüre gelesen ist, dem Werk Saramagos zuwenden.














Ich kenne das Buch dazu nicht. Würde den Film dennoch als gelungen bezeichnen.
Diese durch und durch bedrückende Atmosphäre, besonders in der „Quarantäne“ … sehr heftig!
DieHausfrau
24. November 2008 um 04:29
Ich fand empfand gerade den Teil auf den Quarantänestationen häufig zu distanziert. Hier hätte der Regisseur durchaus mehr wagen können. Nur Juliane Moore wirkte auf mich. Es ist eine seltsame Kühle, die mich insbesondere während dieser Szenen irritierte.
Tobias
24. November 2008 um 05:38