Jigsaw Falling Into Place
Sonntag, 22. Juli 2008, Eichenring, Scheeßel Der letzte Tag des Festivals. Mein Versuch mir unter den rudimentären Waschbecken die Haare zu Waschen offenbarte die Ausmaße des Trockenheit: schwarze Brühe.
Ungewöhnlich früh fanden wir uns auf dem Festival-Gelände ein. Während Diana meist vor der Blue Stage zu finden war, schien ich mit der Green Stage verheiratet zu sein.
Einzig die Unwetterwarnung machte uns Sorgen. Glücklicherweise zog das Untwetter zweimal knapp an dem Festivalgelände vorbei.
Die Tage mit Diana und ihrem Mitbewohner waren sehr schön. Ich genoß die Musik und die ausgelassene Stimmung.
it-gurelllia kommeniert die drei Tage folgendermaßen:
Ebenfalls interessant: das Hurricane Tagebuch der Schallgrenzen.
Elbow
Ein Sound der mich entfernt an Doves erinnerte und der sich von einem gemütlichen Platz auf der Wiese gut verfolgen lies.
The Notwist
Auf die Indie-Band The Notwist bin ich erst vor kurzem durch Ric aufmerksam geworden.
Ich wohnte deren Auftritt anfangs zusammen mit Diana bei, die später dann zur Blue Stage wechselte.
Tocotronic
Schon lange wünschte ich mir diese Band live hören zu können. Nun sollte sich dieser Wunsch erfüllen. Und prompt wurde der von Sänger Dirk von Lowtzow angekündigte Hurricane in Gestalt von starkem Regen Realität. Das Wasser peitsche in einer Weise auf die Bühne, dass die Band kurz unterbrochen musste, woraufhin Bühnenarbeiter Kabel so verlegten, dass keine Kurzschluss möglich ist. Im wahrsten Sinne des Wortes: Kapitulation.
Selbstverständlich fanden sich in der kurzen Spielzeit vor allem die Lieder ihres aktuellen Albums wieder, das ich in der letzten Zeit immer wieder gerne gehört habe.
Sigur Rós
Das Klangerlebnis – und nur als solches möchte ich es bezeichnen -, welches mich bei dem Auftritt der isländischen Band erwartete, bedeutete mir das Betreten innerer Lande.
Selten vermochte heute produzierte Musik mit all ihrer berechenden Kommerzialisierung und konstruierter Eingängigkeit bis jene Bereiche des Herzens vordringen, in denen die Erzeugnisse der Pop-Kultur wenig instrumentalisierbares vorfinden, dass für eine Massenwirkung in Frage käme.
Und obwohl Sigur Rós Teil des kommerziell Musikgeschäfts ist, umgibt sie die mystische Aura eines akustischen Geschichtenerzählers, der Herzen berührt.
Die Andersartigkeit Islands als Spiegel für die ungewöhlich melancholische bis lebensbejahende Melodie, die von Unheimlichkeit bis hin zu sphärischer Ekstase reicht.
Von ungewöhnlich fremder, bedächtiger, nahezu kathedraler Ruhe war die Natur der Stimmung während des Auftritts: Sonnenbrillen schienen die ein oder andere Träne zu verdecken, die einen oder anderen schienen in der Musik zu schweben.
Ich erkannte vornehmlich Stücke aus den Alben ( ), Takk… und Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust, dem soeben veröffentlichten neuen Album.
Der Einsatz des Cello-Streichbogen auf der E-Gitarrre durch Sänger Jón Þór „Jónsi“ Birgisson war nur einer der Momente in denen ich deren einzigartige, kreative Art des Umgangs mit Musik erkannte.
Selten sah man auf einem Festival derart viele Künstler auf einer Bühne. Das Streichquartett Amiina begleitete einige Songs und schien tatsächlich ihre Freude am dem Spiel zu haben.
Radiohead
Schon seit geraumer Zeit höre ich die britische Band Radiohead, die ich über MTV und last.fm kennen gelernt habe.
Es ist diese melancholische Stimme und die außergewöhnliche Mischung aus Jazz, Gitarrenriffs und elektronischen Elementen, durch welche einige Songs der Band wie ein gesungenes urbanes Gedicht die graue Wirklichkeit der Gegenwart einzufangen scheinen.
Thom Yorke und seine Kollegen traten auf der Green Stage auf und waren der Headliner des diesjährigen Hurricanes.
Die Bühne bot ein sehr eigenartiges Bild: hängende Neonröhren hingen wie die Äste einer Trauerweide nach unten und tauchten die Bühne in stätig andersfarbiges Licht, wobei die Farbe immer mit der Wirkung des Songs zu korrespondieren schien.
Die Videoleinwände hingegen zeigten alle Bandmitglieder in Split-Screen und in verschiedenen Farben, was an eine Art Indie- oder Kunstfilm erinnerte und tatsächlich die Individualität der Band unterstrich und das Thema der Performance klar herauskristallisierte: Das aktuelle Album_In Rainbows_ sollte einen Großteil der dargebotenen Songs stellen.
Bei YouTube existieren derzeit einige Aufnahmen, die ein ungefähres Bild der Show vermitteln.
Meine Freude war besonders groß, als Videotape und Jigsaw Falling Into Place gespielt wurden. Im Falle des ersteren ein besonders bewegender Moment.
Verpasste Gelegenheiten
Da sich die Auftritte von Nada Surf und The Kooks mit anderen von mir favorisierten Künstlern überschnitten, hatte ich nicht die Gelegenheit mir deren Musik anzuhören. Inbesondere Nada Surf hätte mich interessiert, die im Gegensatz zum Willen des Publikums und der Band selbst keine Zugabe mehr spielen durften. Es soll zu einigen denkwürdigen Szenen innerhalb des Zeltes gekommen sein.
Kurz angehört
In folgende Bands habe ich kurz reingehört: Flogging Molly, Panteón Rococó, Razorlight und Calexico. Die ersten beiden Bands wurden von Diana favorisiert und sie schien deren Spiel sehr genossen zu haben.













