Archiv für September 2007
TI 84 Plus
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“Jener war ein Totschläger
bevor er begann”.
Unser Taschenrechner wäre sei nicht nur eine ideale Mordwaffe, sondern sei auch ein idealer Gleichungslöser. Ferner könne der Schüler
“Eingabe, Speicherung und Darstellung von bis zu 10 rechtwinkligen, 6 parametrischen und 6 polaren Funktionen sowie 3 Folgen auf bis zu 7 verschiedene Arten”
vornehmen.
Erstaunlich!
Unser Mathematiklehrer verteilte heute die in von der Schule bestellten Exemplare. Ich hingegen warte auf eine waghalsige Lieferung aus den Vereinigten Staaten.
Verständnis zeichnete sich in seinen Zügen als ich zusammen mit einer Mitschülerin um einen Mentor bat.
Ist es mein Unvermögen im Erkennen der Schönheit im Formalismus dieser Sprache, welches mir beinahe jeglichen Zugang zu rauben vermag?
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Antwort, stumm
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Am Ufer eines Meeres den Sturzflug der Möwen mit den Augen begleitend stand ich, die Hose hochgeschlagen und allein, barfuß.
Flüssige Kühle zwischen meinen Zehen, wie sie auf mich zukam und von mir floh. Ein sanftes Spiel, harmlos.
In meiner Hand hielt ich auf Papier geschriebene Hoffnung, zu kleinen Papierschiffchen gefaltet. Hoffnung auf Zuneigung – viel zu lange mit mir herum getragen. Eine welche über die Zeit an Masse zunahm, die Gestalt einer Illusion formte.
Und ich erkannte die Dichte, in der das Papier beschrieben wurde – von mir.
Einen Zug feuchter, salziger Meeresluft später setze ich ein Schiffchen nach dem anderen auf die Wasseroberfläche eines Priels. Viel zu sanft, zaghaft in poetischen Gesten und doch mit bisher ungenannter Entschlossenheit.
Sie begannen loszusegeln, von Geisterhand dem Horizont entgegen.
Unter dem sich dem Abend neigenden Himmelsende wurdest du der stumme Zeuge blutroten Wellenpeitschens, auf dessen Weg die Hoffnung schwand.
So wie eine sinkende Sonne das Ende eines Tages ankündigt, warst du nicht antwortendes, leuchtendes Gestirn.
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Gemüt und Stil
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The|a|tra|lik die;- : übertriebenes schauspielerisches Wesen, Gespreiztheit.the|a|tra|lisch (gr.-lat.) 1. Das Theater betreffend, bühnengerecht. 2. : übertrieben, unnatürlich, gespreizt
Me|lan|cho|lie […koli:], die; -, (Psych.:) -n [mhd. melancoli(a), melancolei < spätlat. melancholia < griech. melagcholía>: von großer Niedergeschlagenheit, Traurigkeit oder Depression gekennzeichneter Gemütszustand
Pa|thos das; (gr. “Leiden”): 1. leidenschaftlich-bewegter Ausdruck, feierliche Ergriffenheit 2. (abwertend) Gefühlsüberschwang, übertriebene Gefühlsäußerung
Als Katja Die Schatten junger Mädchenblüte in ihren Händen hielt und in dem Werk aus Marcel Prousts Auf der Suche nach der verloren Zeit blätterte blieben ihre belesenen, funkelnden Augen an den Stellen hängen, die ich mit book darts markiert hatte.
Sie meinte der Stil des Schriftstellers sei ebenso theatralisch, wie ich. Ich persönlich empfinde Prousts Stil eher als pathetisch; ihn auf Abbildungen selbst eher als melancholisch wirkend.
Wann immer ich in seine Recheré aufschlage und darin lese hab ich die vereinnahmenden Rehaugen Dominiques vor Augen, der für mich längst zum inneren Bild des Ich-Erzählers wurde.
Sowohl Proust als auch Dominique teilen sich eine überwiegend melancholische Stimmung – sofern sie außerhalb einer Liebe zu existieren scheinen. So auch ich.
Meine Schreibe ist selbst nicht frei von Pathos – zugegeben. Aber theatralisch?
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Vollbracht
Il Galeone
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Trickfilme wirken auf mich.
Zuletzt die Videoprojekte der schwedischen Künstlerin Nathalie Djurberg, welche ich zuletzt während der Ausstellung Made In Germany bestaunte.
Herrn Kid sei Dank, durfte ich den Animationsfilm Il Galeone über die Webseite der Künstlerin Erica Il Cane kennenlernen1.
In diesem Zusammenhang sei mir noch der Hinweis auf die Künstlerin Franziska Anna Faust gestattet, deren Projekt Ätherische Erde nach dem Besuch der 24 Stunden Ausstellung in Leipzig als eine der deutlichsten Erinnerungen haftete.
1 Die Dudenredaktion empfiehlt tatsächlich die Zusammenschreibung dieses Wortes, obwohl nach neuer Rechtschreibung eine getrennte Schreibung als sowohl möglich und angeblich auch sinnvoll erachtet wird.
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Der dunkle Zwilling?
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André ist der Meinung, er hätte meinen Zwillingsbruder gefunden. Ich bleibe skeptisch, insbesondere weil ich bezweifle, dass ich im Stande wäre derartig böse drein zublicken…
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Gaydar
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Standardmäßig bin ich mit einem Gaydar ausgerüstet. Daher bin ich mir sicher, dass Jule und ich die einzigen “Schwestern” in unserer Klasse sind.
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Happy Brithday!
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Liebe Juliane!
Alles Gute zum Geburtstag. Viel Erfolg im deinem neuen Lebensjahr. In der Schule, wie auch im Privaten.
Ich habe dich sehr gern.
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Zyklisch
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Zwei Männer, ewigen Wiedergängern gleich, tauchen sporadisch in meinem Leben auf um augenblicklich später in einem großen Meer zu versinken: Wassertropfen an Wassertropfen.
Jene verdrängte, trügerische Fatamorgana die nebulös durch meine Gedanken spukt und allmählich, wie wenn Sonnenlicht Nebel und Wirklichkeit schiedet, mich Klarheit zu gewinnen glaubend macht ist so vertraut.
Eine werdende Klarheit in der Differenzierung dieser beiden Zwischenmenschlichkeiten, vor kurzem erlangt: Der Eine so scheinbar vertraut und angenehm im Umgang und doch nicht gewillt sich einzulassen, der Andere hingegen – dessen präziser Intellekt und dessen jungenhaften Mimik mich beinahe wie von Zauberkraft gebannt machen – mysteriös distanziert: mal nah, mal fern.
Das Schwert der Wahrheit vermag romantische Idealisierungen zu zerschlagen. Es vermag aber auch den inneren Kern an die Oberfläche zu bringen.
Bin ich bereit zu wagen?
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Demonstration
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Transparente mit Parolen und fallende Blätter. Die Anti-NPD-Parteitags-Demonstration am vergangen Samstag war die erste Demonstration an der ich mich beteiligte. Diana an meiner Seite. Ihr Vater mal neben mal hinter uns, ihr Mitbewohner wich ihr nicht von der Seite.
Wir trafen Oliver, einem Studten der mich, wie er sagte, als Mitdemonstrant erwartet habe. Wir alle Teil einer Menge deren Größen – siebentausend, wie später berichtet wurde – nicht auszumachen war. Autonnome mit ihren Sprechchören, jungendliche Punks, ältere Leute dem Schwenkern von Schildern Partei- oder Gewerkschaftszugehörigkeit demonstrierten. Politik – ein merkwürdiges Gefühl.
An einer Demonstration teilzunehmen ist anders als ich mir vorgestellt habe. Und doch: Demokratie, die Stimme erheben. Diana meinte ich sei aufmerksam wie ein Fünfjähriger gewesen.
Zurück bleibt ein merkwürdiger Nachgeschmack.
Demokratie gehetzt von radikalem Islam und dem möglichem Wiederaufkeimen längst verdrängter dunkler Ideologien, eines relitätsfernen, unethischem Kultes?
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