Capital still must flow

Index librorum prohibitorum von 1711

Index librorum prohibitorum von 1711. via Wikipedia

Jannis Kucharz bereichtet in seinem Artikel »Ihr Tweet ist in diesem Land leider nicht verfügbar« (siehe auch die Diskussion bei Netzpolitik) von Twitters Ankündigung derEinführung einer länderspezifschen Informationskontrollstruktur – sprich: „transparente“ Zensur:

»We have also built in a way to communicate transparently to users when content is withheld, and why.«

Kucharz sieht hinter dieser neuen Infrastruktur bei Twitter eine Anpassung an restriktive Länder wie China. Ironischerweise würde diese Vermutung ausgezeichnet  mit dem  Titel der Mitteilung »Tweets still must flow« von Twitter harmonieren; als könne hier ebenso »The show must go on« oder »Captial/Cash/Funds still must flow« stehen.

Das gibt auch  in seinem Artikel »On Twitter, censorship and Internet freedom«, auch ein direker Zusammenhang offenbar nicht anzunehmen ist:

»The crux of the matter, to me, is that Twitter is a venture-backed private company with investors that want to see growth and profit. It’s not a public utility.«

Die jüngsten Ereignisse um PIPA, SOPA und nun eben auch ACTA, legen den Verdacht nahe, dass dieses Infrastruktur nicht primär zur Durchsetzung eines regionalen Index angewandt wird, sondern von Verwertungsgesellschaften oder transnationalen Konzernen direkt instrumentalisiert werden könnte, um deren Interessen Ausdruck zu verleihen.

Allerdings weißt Jillian C. York weißt darauf hin, dass Twitter auch an an (US)-Gesetzte gebunden ist – »Twitter is not above the law.«– und schreibt abschließend:

»I understand why people are angry, but this does not, in my view, represent a sea change in Twitter’s policies.  Twitter has previously taken down content–for DMCA requests, at least–and will no doubt continue to face requests in the future.«

Bleibt bald nun mehr die dezentrale Alternative? (Übrigens die DISPORA* ALPHA  ist noch immer nicht wieder erreichbar.)

SOPA/PIPA und ACTA: Elitärer Protektionismus zur Lasten der Gemeinschaft?


Ab jetzt beteilige auch ich mich am Blackout-Day.

Im Zentrum dieser Aktion stehen die amerikanischen  Gesetzesentwürfe, der Stop Online Piracy Act (SOPA) und der Protect IP Act (PIPA).

Warum beteilige ich mich an einem Protest der zunächst die amerikanische Gesetzgegebung betrifft?

Zunächst einmal würde beide Gesetzte eine umfassende Providerhaftung zur Folge haben, d. h. Plattformbetreiber und ISPs wären dazu gezwungen (noch mehr) Benutzerverhalten aufzuzeichnen und aktiv durch Sperrung oder gar Zensur in das Geschehen einzugreifen.

In der Konsequenz bedeutet das nicht nur einen hören Aufwand auf der Betreiberseite, sondern auch eine Qualifizierung ehemals zumindest konzeptionell neutraler Vermittler hin zu regulierenden Kontrollinstanzen, die darüber hinaus in ein weitaus verstärkes Spannungsverhältnis zwischen eigenen Klienten (Ressource) und Regulation eingebunden werden.

Die digitale Gesellschaft formuliert dies unter Berufung auf die Meinungsfreiheit als Abwehrrecht gegen Zensur wie folgt:

»Es legt die Regulierung der Meinungsfreiheit in die Hände privater Unternehmen, da das Abkommen Dritte, wie zum Beispiel Internet-Provider, dazu verpflichtet, Online-Inhalte zu überwachen. Teile der Wirtschaft würden so gleichzeitig zu Richter und Vollstrecker.«

Insofern betreffen derartige Gesetzte, deren Wirkung über Handelsabkommen wie das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) über ihrer Wirkung für amerikanische Anbieter von Plattformen wie etwa weit verbreiteten Social Networks hinaus auch in den europäischen Raum ausstrahlen könnte, zwei Akteure: den Netznutzer, der sich anstelle eines neutralen Zugangsanbieters nun einer privatwirtschaftlichen und damit intransparenten Kontrollinstanz gegenüber sieht und nun mit erheblichen Aufwendungen (Infrastrukturschaffung und -betreuung, Vollstreckung) belasteten die Diensteanbieter und Plattformen selbst.

Versuchen sich hier elitäre Strukturen in bestimmten Wirtschaftsverbände gewisser Kulturindustrien, welche die Erschließung neuer Märkte durch Innovationen und Schaffung neuer Geschätsmodelle fürchten, eine protektionistische Sonderstellung zu verschaffen, wobei scheinbar sowohl der Ressourcenaufwand als auch die Re-Qualifizierung auf andere eher branchenfremde privatwirtschaftliche Akteure übertragen und diese dadurch instrumentalisiert werden soll?

Müsste für eine Kulturindustrie, die von Freihandel und einer neoklassischen (»neoliberalen«) Wirtschaftspolitik partizipieren möchte, nicht auch der Protektionismus als Verletzung eines Sakramentes gelten?

Hotot

Gestern wurde ich via Twitter von Markus auf den jungen Microblogging-Client Hotot aufmerksam gemacht.

Installieren lässt sich die aktuelle Alpha Version 0.9.9 0.9.7.37 (Codename Ada) unter Ubuntu sehr bequem und problemlos unter Oneric mittels apt-get:

$ sudo add-apt-repository ppa:hotot-team
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install hotot


Der spartanische Client bietet eine kleines aber feines Set von Features an, darunter:

  • Extensions Support, also die Möglichkeit den Client über Plugins zu erweitern
  • Preview Images und Videos
  • Filter über die integrierte Kimset Firewall
  • Upload von Bildern  (Dienst ist konfigurierbar)
  • Multi-Language Support (derzeit werden Übersetzungen für Chinesisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Türkisch angeboten)
  • die Möglichkeit Geo Informationen ansehen zu können und
  • Real-time Update
Prinzipiell unterstützt Hotot neben Twitter auch Identit.ca. Getestet habe ich Ada aber nur mit meinem Twitter-Account.

Entwickelt wird Hotot derzeit von einem zehnköpfigen Entwicklerteam, das regelmäßig Blog-Artikel veröffentlicht. Der Client wird unter der GNU Lesser GPL entwickelt; der Source-Code kann entweder aus dem Git-Repository geklont werden oder bei code.google ausgecheckt werden. Welches der beiden Source-Code-Repositories nun das gültige bzw. Haupt-Repository ist, konnte ich noch nicht ermitteln. Zumindest wurde ich, was die Extensions – wenn auch offenbar nur die  Video-Integration – anbelangt, noch einmal bei code.google fündig.

Hotot wird erfreuerlicherweise mit Python entwickelt und setzt auf Gtk2, Webkit und JavaScript. Der schlanke Client fällt seit gestern mit einem spürbar geringeren Ressourcen-Verbrauch – vor allem im Vergleich zu dem sehr ressourcen-intensiven und zähen, wenngleich Dank Vala nativen, Gwibbler Client (ob das an der internen Verwendung des JSON-Parsers liegen mag, sei dahin gestellt)  oder etwa an dem an Features überlegen aber schwergewichtigem TweetDeck, das ohnehin auf Linux aktuell nur als Chrome-Plugin erhältlich ist.

Ein geringer Ressourcenverbrauch ist für mich insofern erfreulich, da mein in die Jahre gekommener und hitzköpfiger Laptop ohnehin sehr sensibel auf hungrige Applikationen reagiert – wozu mittlerweile oder immer wieder auch Browser zählen.

2011 in review

Die WordPress.com Statistikelfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2011 an.

Hier ist eine Zusammenfassung:

Das Sydney Opera House bietet Platz für 2.700 Konzertbesucher. Dieses Blog wurde in 2011 etwa 17.000 mal besucht. Das entspräche etwa 6 ausverkauften Konzertveranstaltungen im Sydney Opera House.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.