Jubiläum des Mauerfalls
Wer gestern im öffentlich-rechtlichem Fernsehen die Feierlichkeiten den vor zwanzig Jahren statt findenden Mauerfall betreffend mit verfolgte, der traute seinen Augen kaum. Zwischen teils bewegenden Worten von Zeitzeugen und Politikern, traten seltsame Bands auf, welche der (vielleicht ist es dem Moderator geschuldet) Feier zuweilen einen merkwürdigen Beigeschmack einer gewissen Unterhaltungssendung gaben.
Während Markus und R|ob auf ihre Weise an den Mauerfall gedachten, erinnerte ich mich gestern an die Zeit danach. Ich war noch nicht zehn Jahre alt, als ich die feiernden Massen in der Tagesschau betrachtete und nicht erahnen konnte, was wirklich gesehen war. Dann: diese im meiner allgäuerischen Provinzstadt vorherrschende Skepsis als die ersten ehemaligen DDR-Bürger in die Stadt zogen. Kritisch beäugt fügte sich ein Schüler aus Magdeburg in unsere Klassengemeinschaft ein.
Heute, nachdem ich der allgäuerischen Provinz und dieser teils xenophobischen Enge entkommen bin, freue ich mich sehr darüber, dass ich nicht wenige aus Leipzig, Dresden, Madgeburg und den umliegenden Landen kennen lernen durfte.
Heute lebe ich an der Seite eines ehemaligen Jungpioniers.
The American Dollar
The American Dollar: kaum treffender könnte die gegenwärtige Phase der Weltwirtschafts- und Finanzkrise eine Band mit einem gleichsam nostalgisch wie jene Phase bezeichnen.
Die beiden in New York City ansässigen Künstler John Emanuele and Rich Cupolo haben vor mehr als einem Jahr ihr drittes Album, A Memory Stream, veröffentlicht. Ein gutes Jahr zuvor, 2007, war das beeindruckende Album The Technicolor Sleep erhältlich gewesen, welches dem Debütalbum The American Dollar (2006) folgte.
Inwiefern unterscheiden sich The American Dollar von anderen Postrock Bands? Libby Wait von cdreviews.com befindet, sie schrieben Postrock für Menschen, die keinen Postrock mögen (»Cinematic post-rock for people who don’t actually like post-rock«).
Peter Brennan lobt in seiner Rezension (The Silent Ballet) des Albums A Memory Stream die Kombianation der Einflüsse aus dem Genre Elektro und Postrock, wie dies in den beiden Songs Transcendence und Lights Dim besonders gelungen sei:
»Both are works of rare talent and ingenuity, taking elements from electronica and post-rock and making the pairing of the two seem somehow new and vita.«
Onesize Studio hat für Anything You Synthesize, welches sich ebenfalls auf A Memory Stream zu finden ist, einen Kurzfilm veröffentlicht, der in hoher Qualität auf deren Seite angesehen und heruntergeladen werden kann.
The American Dollar – Anything You Synthesize (Produced By Onesize) on YouTube
Im Gegensatz zu vielen anderen Bands, welche den Mainstream bedienen und vielleicht einem größeren Publikum zugeneigt sind, konzentrieren sich The American Dollar eher auf die Präsenz in Sozialer Netzwerke und entsprechender Dienste als um eine perfekt gestaltete offizielle Website. Die Band ist sowohl auf MySpace, last.fm als auch bei Facebook vertreten und twittert (@Amdollar) eifrig.
Allerdings finden sich nicht nur auf dem akuellen Album hörenswerte Stücke. The Technicolor Sleep ist durchaus ein ebenfalls empfehlenswertes Album.
Klausurenphase
Kommende Woche schlägt die nächste große Klausurenwelle auf.
Den Drei Klausuren, darunter Latein, folgt die berüchtigten Klausuren unter Abiturbedingungen, allgemein „Vorabitur“ genannt.
Lerneinheiten habe ich bereits in der vergangen Woche konkretisiert und in kleine tägliche Aufgaben aufgeteilt. Für etliche Fächer fehlen leider immer noch die Angabe, welches Semester aus der vergangen Jahrgangsstufe noch mit einbezogen werden soll.
Latein bereitet mir derzeit am meisten Sorge.
Das weiße Band
Das
Wilhelmische Deutschland kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges: Der Allgemeinmediziner (Rainer Bock) des norddeutschen Dorfs Eichwald erleidet einen schweren Unfall. Ein zwischen den Bäumen gespanntes Seil lies ihn straucheln. Das Seil ist kurz nach dem Unfall verschwunden; die Täter können nicht ermittelt werden.
Die Haushälterin und Hebamme (Susanne Lothar) kümmert sich bisweilen um die Kinder des Witwers, der für längere Zeit in einem städtischen Krankenhaus genesen muss.
Der diabolisch strenge Pastor (Burghardt Klausner) züchtigt der weilen seine beiden ältesten Kinder Klara (Maria-Victoria Dragus) und Martin (Leonard Proxauf) wegen marginaler Vergehen auf sehr drastische Weise. Ein weißes Band soll sie an Reinheit, Keuschheit in ihrem Handlungen erinnern. Das geistliche Oberhaupt der Gemeinde spart mit der Rute nicht, als müsste seiner Stellung wegen gerade seine Kindern die volle Strenge demagogischer Strenge und pervertierter moralischer Ideale erfahren.
Nach einiger Zeit wird Sigmund (Fion Mutert), Sohn des Barons (Ulrich Tukur) im alten Sägewerk brutal misshandelt entdeckt. Niemand in der Gemeinde gibt dem jähzornigen Gutsherren den Täter preis, obwohl vor dem Hintergrund einer Kulisse aus Angst und impliziertem Ehrgefühl ein Klima der Denunziation erzeugt wird.
Regisseur Haneke zeigt in seiner offenen Erzählung die Ereignisse des Dorfes Eichwald in mosaikhaften, episodischen Versatzstücken.
Stefan Höltgen weißt stellt in seinem Artikel „Ich bin das ästhetische Konzept – aber ich habe keines“ auf die Nähe Hanekes Werk David Lynch gegenüber, welcher im Gegensatz dazu »die Suggestion eines Genrefilms « verwendet, um dessen »Regeln qua Karikatur zu pervertieren«. und betont eine ähnliche, vielleicht sogar radikalere Anwendung dessen in Das weiße Band. Die Aussage oder Botschaft dieser filmischen Erzählung bleibe demnach im Verborgenen; eine explizite Auflösung des Rätsels um die Schuld und Täterschaft verweigert der Film ebenso wie dessen Regisseur entsprechende Kommentare unterlässt. Dies offenbare, so Höltgen, keineswegs postmoderne Züge.
Subtil taucht die Fatalität allgegenwärtiger Gewalt und allgegenwärtigem Missbrauch in bewegten Bildern auf; sie ereignet sich von einer strengen, religiösen Erziehung geprägt im Stillen, im Heimlichen. Jene Stille, welche im Film in einer ruhigen, langen Einstellung und einer ebensolchen zeitinstensiven Erzählung mag durchaus, den ein oder anderen Zuschauer ungeduldig werden lassen.
Das weiße Band war vor allem wegen der hinter religiöser Moral verborgener Gewalt, welcher Form auch immer, eine bewegende Darstellung menschlichen Miteinanders, das nicht nur eine Erklärung für die Entwicklungen des 20. Jahrhunderts anbieten könnte, sondern auch ein Wiederkennen ermöglichte.
God Is an Astronaut

"Phoenix Affect Icy November" von Dave King. Album cover (2008)
»God is an astronaut, Oz lies over the rainbow, and Midian is where the monsters live.« Auf dieses Zitat aus dem Film Nightbreed soll der Name der irischen Post-Rock-Band God Is an Astronaut zurückgehen. Das die Band damit in die Nähe von Erich von Däniken rückt, ist vielleicht nicht so ungewöhnlich, wenn bedacht wird, dass dies dieser Tage wohl nicht mehr ungewöhnlich zu sein scheint:

Melancholischen Gitarren treffen auf »schillernden Electronica Elemente« (last.fm), die sich zuweilen tatsächlich episch anfühlen. God Is an Astronaut kreiert Klanggebäude, zeitlos in ihrer Form. Darüber hinaus legen die Iren auch wert auf die visuelle Darstellung ihrer Form. Womöglich einer der Gründe die Welt an ihren auch die optischen Sinne ansprechenden Auftritten über Flickr-Fotos teilhaben zu lassen.
Ihr erstes Album nahm die Band im Jahre 2002 auf, nannte es The End Of The Beginning. 2005 folgte All is Violent, All is Bright. 2007 wurde Far From Refuge veröffentlich. Und nur ein Jahr später folgte God Is an Astronaut.
Zahlreiche ihrer Songs bergen ein starke, sanfte Emotionalität in sich.
Derzeit dient mir der Name dieser Band dient des häufigeren als Grundlage für meine last.fm Radiostadtionen.
Persona
Durchaus als Kunstwerk könnte Bergmanns Persona bezeichnet werden.
Nachdem sich Elisabeth Vogler (Liv Ullmann) während einer Aufführung des Stücks Elektra eine Art Schweigegelübde ablegt, empfiehlt deren behandelnde Ärztin einen Landurlaub mit der Pflegerin Alma (Bibi Andersson). Alma glaubt Elisabeth ihr überlegen und fürchtet ihrem Geist nicht standhalten zu können.
In einem am Meer gelegenen Ferienhaus kommen sich die beiden Frauen sehr schnell näher. Alma beginnt der noch immer schweigenden Elisabeth intime Geheimnisse zu offenbaren, einer Beichte gleich. Doch diese Enge währt nicht lange, schlägt schließlich um. Es hat den Anschein, als drohe Alma in Elisabeth zu verschmelzen. Oder sind die beiden zwei Instanzen einer und der selben Person, die sich nicht einander zu begegnen wissen, nicht miteinander zu kommunizieren wissen?
Liv Ullmanns und Bibi Anderssons Spiel entfaltet ein beeindruckendes, wie mitreißende Wirkung. Unterbrochen von surrealistisch anmutenden Szenen entsteht dadurch eine bedrückende, teils beklemmende Atmosphäre, die mitunter eine gewisse Unvorhersagbarkeit in sich trägt. Das perfide Spiel der beiden Frauen wird von Bergmann typischen Kameraperspektiven begleitet, die den Zuschauer Teil des Geschehens werden lassen.
Über diese zeitlose cineastische Theaterstück schreibt Johann Georg Mannsperger:
»Psychologisierende Spinnerei und intellektuelles Gedankenspiel (eben Bergman) hin oder her – das Auge kriegt in jeder einzelnen Kameraeinstellung so viel geboten und die symbolische (tiefsinnige?) Verschlüsselung der Szenen regt so stark zum Nachdenken an, daß sich das Anschauen immer lohnt.«
Halloween
Eine kreative, arbeitsreiche Woche endete mit der Fertigstellung der Kostüme für das vergangene Halloween-Wochenende.
Eigentlich wollten Ric und ich bereits auf einer Party am Freitag dabei sein, doch hatte eine bedauerliche Panne bei einem der beiden Kostüme uns derart zurückgeworfen, so dass wir gezwungen waren der Party fern zu bleiben.
Eine das Kostüm rettende Idee konnte erst am folgenden Samstagmorgen umgesetzt werden. Bereits um 11:30 Uhr nutzten wir eine über das Netz aquirierte Mitfahrgelegenheit nach Bremen. Karsten und Christian hatten uns auf ihre traditionelle Halloween-Party geladen.

Rics "Frank"
Vor Ort nutzten wir die Gelegenheit Rics Maske fertig zu stellen. Nach dem Vorbild der in Donnie Darko auftauchenden Figur „Frank“ und auf ähnliche Weise wie im Netz beschrieben, hatten wir in Teamarbeit ein beachtliches Kostüm fertig gestellt: auf eine handelsübliche Jason-Voorhees-Maske wurde ein relativ feinmaschiger Draht gewickelt, der anschließend mit Pappmaschee überzogen wurde. Anschließend wurden die Zähne und die feineren Konturen mit einer lufttrocknenden Modelliermasse herausgearbeitet.
Für die Augen entschieden wir im Gegensatz zu der ursprünglichen Variante für eine kostengünstigere Variante. Nachdem einige Versuche mit transparenter, in Form gegossener Seife aufgrund deren alkalischer Eigenschaft scheiterten entschieden wir uns dafür eine auseinander geschnittene günstige Schwimmbrille in Modelliermasse einzubetten, so dass zumindest die Augen eine ähnliche Form annahmen, wenngleich die ursprünglich von uns angedachten größeren Augen aus transparenter Seife gruseliger ausgesehen hätte.
Ich selbst hatte mich für den Pestarzt entschieden. Die Maske erstellten wir mit nach dem selben Muster: auf eine Jason-Voorhees-Maske gewickelter Draht wurde mit Pappmaschee überzogen und dann mit schwarzer Acrylfarbe bemalt. Für Dr. Schnabels Brille demontierten wir eine Schweißerbrille aus dem Baumarkt und klebten die beiden dunklen Gläser so über die Sichtschlitze, dass dennoch eine gewisse Durchsicht erhalten blieb. Zwischen die beiden Gläser klebte ich einen kleinen Streifen schwarzen Leders, welchen ich aus einem Fundus von Resten ausgeschnitten hatte.

Der Blogger als Dr. Schnabel
Die Gastgeber hatten ihre Wohnung sehr aufwendig gestaltet: Spinnenweben in den Zimmerecken, aufwendig geschnitzte Kürbis, ein im Garten an einem Baum hängender Geist und ein sehr eindrucksvoll blutig gestaltetest Badezimmer. In dem sehr gelungenen Ambiente konnten wir dem morbiden Feiertag durchaus würdig gegebenen. Alles hier dokumentiert.
Mein erstes Halloween war ein Erlebnis: nicht nur, weil ich bereits in Bremen als Pestarzt verkleidet durch meine bloße Präsenz den einen oder anderen Passanten für kurze Zeit in Schrecken versetzte.
Klärwerk Herrenhausen
Der Besuch des Klärwerks Hannover-Herrenhausen im Rahmen einer Exkursion des Biologieunterrichts konfrontierte den Kurs mit der Abluft, deren Auftreten währen der Klärung unumgänglich sein dürfte.
Ehrenamtlich führte uns ein ehemaliger Student, Fachrichtung Technische Redaktion, über das Gelände und erklärte uns die einzelnen Stufen mechanischer und biologisch-chemischer Abwasserklärung.
Die Geruchsbelästigung, welche einige der Kollegatinnen und Kollegiaten sichtlich zu überfordern schien, erreichte nach der ersten Stufe, dem Rechen, beim Sandfang ihre größte Entfaltung. Momente, in denen Gerüche zu Schlägen in die Magengrube werden und einen Besucher respektvoll anerkennen lassen: Hochachtung vor dem Personal!
Beeindruckend: Nitrifikation und Denitrifikation im Belebtschlammbecken. Bis schließlich nahezu sauberes Wasser seinen Weg in die Leine findet.
Erstaunlich wie intensiv unserer Gedächtnis Gerüche zu bewahren weiß.
Doktor Schnabel
Umittelbar bevor steht mir die Verwandlung in Dr. Schnabel.
Verwandlung an einem Wochenende, an denen ich ausnahmsweise Halloween-Veranstaltungen wahrnehmen werde.
Inspiration war die vermeinntliche Schutzkleidung der Pestärzte bei zeitgleicher Werbung für eine Impfung gegen Schweinegrippe.
Demnächst mehr.
Das Schweigen
Irgendwann während oder kurz nach dem 2. Weltkrieg: Die beiden Schwestern Ester (Ingrid Thuilin) und Anna (Gunnel Lindblom) und deren Sohn Johan (Jörgen Lindström) wie auf einer endlos scheinenden Reise. Ester windet sich in Krämpfen, Johan blickt aus dem Fenster und bemerkt eine endlos an ihnen vorbeiziehende Reihung von Panzern, Anna hingegen bemüht sich die Zugfahrt im Schlaf zu überbrücken.
Als Esters Beschwerden unerträglich zu werden beginnen, beschließt die Reisegruppe in einem Hotel eines fremdsprachigen Landes ein zukehren. Der Zuschauer beginnt, das komplexe von gegenseitiger Qual geprägte Verhältnis der gegensätzlichen Schwestern allmählich zu bemerken und beobachtet den einsamen, vernachlässigten Jungen Johan in den endlosen Fluren des Hotels zu spielen, welcher zunächst von dem im Hotel arbeitenden, skurilen Kellner (Birger Malmsten) mehr Aufmerksamkeit erfährt, als von seiner eigenen Mutter.
Den nahenden Tod versucht Ester, die jahrelang als Übersetzerin tätig war, mit Alkohol und Zigaretten zu betäuben. Anna entflieht der Schwüle und der Enge des Hotels, indem sie des Abends ausgeht und am Tage schläft. Eines Abends beobachte sie ein kopulierendes Paar in einer Loge des ortseigenen Varietés. Flutartig verlässt die ambivalente Mutter das Lichtspielttheater und gibt sich fortan ihren sexuellen Bedürfnissen hin.
Die offenbar mit dem Tode ringende Ester hingegen wird von der Eifersucht in Bezug auf ihre sich sexuellen Abenteuern hingebenden Schwester zusätzlich zerrieben. Johan und hingegen zeigt seine Angst Ester betreffend immer wieder, bemüht sich aber, diese seiner vermeintlichen Tante nicht zu zeigen. Schließlich lassen Anna und Johan Ester, die in der Obhut des fürsorglichen Kellners einem einsamen Tod vor Augen hat. Wieder in einer endlosen Zugfahrt angekommen, liest Johann eine Botschaft Esters in einer fremden Sprache und versucht sie vergeblich zu verstehen.
In den nervösen Augen heutiger Kinogänger dürfte das ruhige Kammerspiel zwischen Anna und Ester langsam bis langatmig inszeniert wirken. Doch gerade in dieser Langsamkeit entfaltet dieser Film von Ingmar Bergman eine berührende Wirkung. Die Einstellungen, in welcher Bergmann seine Protagonistinnen zeigt, sprechen eine eigene Sprache.
Andreas Thomas weißt in seinem Artikel über den Film auf die unterschiedlichen Betrachtungsebenen hin, welche sich vor allem unter Einbeziehung der eigenen Geschichte des Regisseurs ergeben.
Im Deutschland der 196oer Jahre löste der Film nicht allein der sexuellen Darstellungen wegen eine Kontroverse aus; heute kaum vorstellbar.
Die Erzählkraft des Filmes hat in über 50 Jahren allerdings nicht im geringsten an Wirkung eingebüßt.













